Interview mit Social Media-Ikone Hans Sarpei

„Für die Zukunft sehe ich prinzipiell gerne schwarz“

Nur ganz wenige Prominente haben dermaßen Strahlkraft in den sozialen Netzen wie der ehemalige Fußballprofi Hans Sarpei. Geschickt weiß er seine Reichweite einzusetzen: Zur Selbstvermarktung, aber auch um sein soziales Engagement zu unterstützen. Interview mit einer Netz-Berühmtheit.

Herr Sarpei, Sie sind eine Ikone in den sozialen Netzen. Und dadurch, dass Ihre Vermarktung im Wesentlichen ja auch durch Ihren Erfolg in Social Media begründet liegt, gewissermaßen ein Vorreiter der Digitalen Transformation. Wagen Sie doch einmal eine Prognose: Wie wird sich die Transformation weiter entwickeln in der Branche, in der Sie zuhause sind?

Ich bin davon überzeugt, dass die Professionalisierung im Fußball noch weiter zunehmen wird. Insbesondere auch abseits von sportlichen Ergebnissen, sprich in Marketing und Merchandising etwa. Die Digitalisierung wird dazu extrem beitragen. Es ist eine Chance für die Vermarktung, aber langfristig auch ein Risiko für das Erlebnis vor Ort.

… vor Ort, inwiefern?

… viele Freunde von mir gehen schon nicht mehr ins Stadion, weil ihnen der Besuch zu zeitaufwändig und teuer ist.

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Okay, das heißt also, wenn möglicherweise eine „Übervermarktung“ durch die Digitalisierung stattfindet, muss man ihr Einhalt gewähren. Welche Learnings können Sie Unternehmen außerdem mit auf den Weg geben und was können Unternehmen von der Internet-Marke Hans Sarpei lernen?

Für mich war von Anfang an wichtig, dass ich über die sozialen Netzwerke nicht nur die Fans auf eine sehr eigene Art unterhalte, mit ihnen lache und mich aktiv mit ihnen austausche, sondern dass ich meine Bekanntheit auch dazu nutze, um gesellschaftliche Themen anzusprechen. Sei es der Kampf gegen Rassismus oder Homophobie oder wie in diesen Tagen die Unterstützung für Flüchtlinge. Mein Learning für Organisationen und Unternehmen wäre: Seid Ihr selbst und habt Mut, Ecken und Kanten zu zeigen. Authentizität wird in der Regel belohnt.

Bedeutet das im Umkehrschluss auch, dass Sie abraten würden, das Social Web ausschließlich für Werbe- respektive Marketingzwecke einzusetzen?

Absolut, ich nehme das Social Web so unterschiedlich wahr, wie die Welt ist und die Menschen es sind. Es ist ein Spiegel der Weltgesellschaft, der Höhen und Tiefen genauso abbildet. Es offenbart das Beste, aber auch das Schlechteste. Es liegt an uns, das Beste daraus zu machen.

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Apropos „das Beste“. Woraus ziehen Sie den maximalen Nutzen Ihrer digitalen Präsenz?

Sie ermöglicht mir, in direkten Austausch mit meinen Fans aus der ganzen Welt zu treten. Eine tolle Erfahrung, die ohne Facebook, Twitter und Co. in diesem Umfang mit klassischen Massenmedien nicht möglich wäre. Als Prominenter profitiere ich aktuell natürlich dementsprechend sehr von der Digitalisierung.

… und wenn Sie eine Plattform-Empfehlung ausgeben würden, für welche würden Sie plädieren?

Für mich sind Facebook und Twitter gleichberechtigt. Facebook erzielt zwar mehr Reichweite, Twitter besitzt jedoch oft mehr Tiefgang. Meine Learnings sind sehr vielfältig und ganz individuell je nach Posting. Bei gesellschaftlichen Themen sind dies oft ganz andere Punkte, als bei humorvollen Beiträgen oder Postings nach Spielergebnissen. Für die Zukunft sehe ich jedoch allein schon aus Eigeninteresse prinzipiell gerne schwarz.