Aus der Zelle kommt die Kraft

Company Rebuilding als Werkzeug der digitalen Transformation

Gesellschaftliche und technologische Veränderungen führen dazu, dass Unternehmen ihre Art zu Arbeiten anpassen müssen, wenn sie ihre Wirtschaftlichkeit langfristig sichern wollen. Zwei elementare Fragen gehören dabei zu einem digitalen Transformationsprozess, die sich nicht voneinander abkoppeln lassen: Wie wollen wir in Zukunft unsere Arbeit gestalten? Und: Welche technologischen Lösungen passen dazu? Beide beeinflussen einander wechselseitig und definieren die individuelle Ausgestaltung der Veränderung im Unternehmen und des Verständnisses von „New Work“.

Mit digitalen Lösungen, die Elemente von Data Analytics, Cloud-Infrastruktur, IoT, Künstlicher Intelligenz, sowie Netz- und Sicherheitstechnologien vereinen, steht eine Vielzahl innovativer Tools zur Verfügung, die die Grundlage für eine neue Ausrichtung von Arbeit legen. Rein technisch gesehen ist der digitale Wandel damit einfach zu gestalten. Kompliziert wird es bei der notwendigen Veränderung des Mindsets der Mitarbeiter, die den Schritt in eine neue Arbeitswelt überhaupt erst ermöglicht.

Auch im industriellen Umfeld kann der Fokus der Digitalisierung nicht allein auf technischen Prozessen und vernetzten Maschinen liegen; entscheidend für den Erfolg der Transformation ist auch hier der Faktor Mensch. Eine Herausforderung, der nicht jeder allein gewachsen ist, aber die mit der richtigen Unterstützung gemeistert werden kann.

Ein erfolgreich erprobter Ansatz ist das sogenannte Company-Rebuilding, ein Prozess, der am Kern der Kompetenzen eines Unternehmens ansetzt und diese für die Transformation nutzt. Das Ziel ist es, mithilfe flexibler Zellstrukturen, zukunftsfähige Organisationen zu schaffen. Auf der „Future of Work in Industry“ Konferenz der Hannover Messe 2019 stellen T-Systems Multimedia Solutions (MMS) und Detecon Consulting dieses Konzept einem breiteren Publikum vor. Im folgenden Interview geben Ulrike Volejnik (T-Systems) und Marc Wagner (Detecon) einen ersten Eindruck. 

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Company Rebuilding zeigt, wie Unternehmen aus einer Zelle Kraft schöpfen, um so neue Arbeitswelten zu generieren.
Warum überhaupt?

Marc Wagner: Wir sehen so etwas wie Company Rebuilding als notwendigen Akt in der Digitalisierung, um neues Arbeiten überhaupt ermöglichen zu können. Um Kunden neue Geschäftsmodelle und Services anbieten zu können, müssen sich auch interne Strukturen an den Speed des digitalen Zeitalters anpassen. Dabei haben wir aber beobachtet, dass hier einige Unternehmen mit tradierten Mitteln bereits gnadenlos gescheitert sind.

Inwiefern?

Ulrike Volejnik: Klassische Restrukturierungsprozesse greifen nicht mehr. Großunternehmen erkennen, dass konzernweite Transformationen viel zu lange dauern, intern gegründete Start-ups heben nicht ab, und auch Innovationslabs funktionieren oft nicht.

Stattdessen?

Ulrike Volejnik: … ist es entscheidend, Innovation in einer neuen Art und Weise außerhalb der bestehenden Strukturen aufzubauen.

Und das gelingt dann bestenfalls mit der von Euch beschriebenen Kraftzelle, die sich wie entfaltet?

Marc Wagner: Sie schafft aus eigenen Erfahrungen heraus anpassungsfähige Strukturen, klein, flexibel und mit einer überschaubaren Anzahl von Mitarbeitern.

Klingt bekannt, woanders nennt man das „internen Inkubator“, oder?

Marc Wagner: Falsch. Das Prinzip mag auf den ersten Blick ähnlich sein, unterscheidet sich aber davon in ein paar wesentlichen Dingen. Dieser Nukleus aus der Mitte des Unternehmens lässt sich, erstens, ausschließlich mit High-Performance-Teams erfolgreich etablieren. Diese leistungsfähigen Teams bilden dann die Grundlage für ein neues Ökosystem. Zweitens muss es eindeutige Werte und Regeln der Zusammenarbeit geben: Im Mittelpunkt der Zelle muss immer das Schaffen von Mehrwerten stehen, entweder für Kunden oder Mitarbeiter. Alles, was keinen Mehrwert generiert, wird gnadenlos ausgeklammert. Darüber hinaus darf die Kraftzelle, drittens, eine bestimmte Personenzahl von etwa 170 Personen nicht überschreiten, sonst funktioniert sie nicht mehr, dann steigt die Vernetzungskomplexität zu sehr an. Und das unterscheidet sie eben von einem internen Inkubator. Derart wird sie auch besser in der Exekution der Themen.

Woher wisst Ihr das?

Ulrike Volejnik: Wir haben erfolgreiche Unternehmen beobachtet, die bereits ein Company-Rebuilding dieser Art realisiert haben – das klappt hervorragend. Voraussetzung ist dabei nur die richtige, begleitende Technologie.

Welche wäre?

Ulrike Volejnik: Das ergibt sich aus der Zellstruktur: Die Technologie muss „lean“, ohne großen Aufwand implementierbar und überall verfügbar sein, das gilt natürlich auch für die daraus generierten Inhalte. Die Tools müssen miteinander interagieren können, es muss alles aus einer Cloud stammen können. Viele Zell-Speziallösungen bilden derart sozusagen den technologischen Kern des Ganzen. Und letztlich sehen wir auch den Einsatz künstlicher Intelligenz als wichtiges Kriterium.

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Warum das?

Ulrike Volejnik: Tempo und Effizienzen spielen im Kontext der Zelle eine maßgebliche Rolle, deshalb soll KI die Mitarbeiter durch den Arbeitskontext führen, so wie sie oder er es gerade benötigen. Es soll Transparenz über Skills und Ressourcen geben, auch hier hilft KI. Und durch den Einsatz künstlicher Intelligenz soll im Team mehr Zeit für soziale Interaktion übrigbleiben, die KI übernimmt repetitive Aufgaben dann autonom. All das soll darüber hinaus zu einem hohen Grad an Selbstorganisation der Teammitglieder führen.

Also ist Company Rebuilding ein kraftvolles Zusammenspiel neuer Teams, die mit adäquater Technologie ausgestattet werden. Aber das Ganze muss ja erst einmal auch etabliert werden, hier kommt Ihr dann ins Spiel, richtig?

Marc Wagner: Ja. Wir denken, dass die Kooperation zwischen Detecon und der T-Systems MMS dafür wie geschaffen ist. Wir können von der Beratung bis zum Service alle wichtigen Felder abdecken. Wir erreichen somit eine Technologie- und Beratungskompetenz, die europaweit sicher selten ist, das ist optimal für eine Umsetzung nach der Company-Rebuilding-Methodik.

Wie integriert sich Company Rebuilding in das größere Thema „New Work“, bei dem Ihr Unternehmen begleitet?

Ulrike Volejnik: Company Rebuilding schafft Zellen, die innovativ arbeiten. Der nächste Schritt ist dann der Roll-out von New Work Technologien und Prinzipien im ganzen Unternehmen. So geschehen beispielsweise bei unserem Kunden Schwan Cosmetics, dessen Remote Support-Lösung wir dieses Jahr auf der Hannover Messe am Stand der T-Systems (Halle 5, Stand E04) präsentieren. Dort werden Wartungsprozesse mit Hilfe von Augmented Reality optimiert. Maschinenbediener lassen sich von Experten, die Tausende Kilometer entfernt sitzen, durch via HoloLens übertragene Bilder bei der Wartung von Maschinen helfen. Ein anderes Beispiel, das auch auf der Messe vorgestellt wird: Unser Kunde Olympus nutzt die Visualisierungsmöglichkeiten der Hololens um die Planung von Operationssälen mit großen oder komplizierten Maschinen zu simulieren. Dabei können Geräte in realer Größer virtuell im Raum platziert werden. So kann von Anfang an eine effektive und individuelle Planung garantiert werden.
Und dies sind nur zwei von vielen Bespielen, wie New Work erfolgreich in Unternehmen eingeführt werden kann, wenn denn die dafür notwendige Grundvoraussetzung vorliegt: ein Mindset, wie ihn Company Rebuilding herbeiführen kann. Es ist in diesem Sinne, dass wir Company Rebuilding als ein Werkzeug der digitalen Transformation verstehen.

Über die Experten

 


Ulrike Volejnik

ist seit 2012 Mitglied der Geschäftsleitung der T-Systems Multimedia Solutions GmbH. Zuvor war sie in verschiedenen Positionen im Bereich Produktmanagement bei der Deutschen Telekom tätig und bekleidete mehrere leitende Positionen bei der T-Systems Multimedia Solutions. Seit Anfang 2019 verantwortet sie darüber hinaus in der T-Systems die Business Area New Work, die mit rund 500 Mitarbeitern den Digitalen Arbeitsplatz von morgen bei Unternehmen gestaltet.

 

Marc Wagner

begleitet seit mehr als 20 Jahren Unternehmen bei der Gestaltung der Digitalen Transformation. Vor seiner Zeit bei der Detecon begleitete er mehrere Jahre im Center for Strategic Projects (CSP) der Deutschen Telekom strategische Transformationsprojekte im Vorstandsbereich Finanzen, war Restrukturierungsberater in unterschiedlichen Beratungshäusern und Gründer & Geschäftsführer einer auf Software Entwicklung & IT Training spezialisierten Beratung.